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Oberstufenklasse politisert in Bern

Vizepräsidentin des Nationalrats

In der Woche vom 18. – 22. Februar weilte die Klasse 2b aus dem OZ Mühlizelg in Bern, um an einer Projektwoche unter dem Namen „Schulen nach Bern“ teilzunehmen. Dabei spielen fünf Klassen aus der ganzen Schweiz eine Woche lang Parlament. Grundlage für das Planspiel sind (fiktive) Initiativen, welche von allen Klassen im Vorfeld der Woche ausgearbeitet werden. Während der Woche werden diese Initiativen in Kommissions- und Fraktionssitzungen behandelt und allenfalls werden Gegenentwürfe ausgearbeitet. Absoluter Höhepunkt der Woche ist die Debatte im Nationalratssaal, welche jeweils im Beisein eines Alt-Bundesrats oder eine Alt-Bundesrätin (bei uns war es Frau Ruth Dreifuss) durchgeführt wird. Nebst der Vorbereitung auf die Diskussion im Rat lernen die Schülerinnen und Schüler auch die Bundesstadt kennen. Ein Treffen mit einer Nationalrätin oder einem Nationalrat aus dem Heimatkanton steht ebenso auf dem Programm wie der Besuch einer ausländischen Botschaft. Im Folgenden nun der Bericht der Klasse zu dieser eindrücklichen Woche in Bern.

 

Am Montagmorgen ging es um 9 Uhr los, mit dem Zug fuhren wir nach Bern. Als wir in unserer Zivilschutzunterkunft angekommen waren, bezogen wir unsere Zimmer, welche wir mit Schülerinnen und Schülern aus andern Klassen gerne teilten. Nach dem Mittagessen hatten wir unsere erste Fraktionssitzung. In dieser sprachen wir noch einmal unsere Strategie für die bevorstehende Wahl des Nationalratspräsidenten und es Vizepräsidenten ab.

 

Die Eröffnungsfeier fand in der alten Kaserne der Stadt Bern statt. Alle Klassen stellten sich gegenseitig vor, ebenso machten alle Werbung für ihre Kandidaten für das Präsidium des Nationalrats. Und tatsächlich, unsere Kandidatin Janine wurde als Vizenationalratspräsidentin gewählt!

 

Der Tag fand seinen Abschluss mit einem Spielabend und um 22 Uhr ging es dann ins Bett.Am Dienstag stand eine Stadtbesichtigung unter dem Motto „Zeitreise durch die Bundesstadt“ auf dem Programm. Wir trafen unseren Stadtführer beim Bärengraben. Zunächst überquerten wir die Nydeggbrücke. Schon auf dem Weg in die Stadt überraschte uns eine Schauspielerin, welche im Lauf der Stadtführung in verschiedene Rollen schlüpfte und uns so einen lebendigen Eindruck vermittelte. Als nächstes besuchten wir den Sitz des Stadtpräsidenten von Bern, der so genannte Erlacherhof. Auch dort trafen wir wieder auf die Schauspielerin, diesmal in der Rolle als Putzfrau. Unterwegs berichtete uns der Stadtführer über die Vergangenheit der Bundesstadt. Er erklärte uns etwa, dass kein Haus in Bern höher gebaut werden darf als der Turm des Münsters. Via „Zytgloggeturm“ ging es schliesslich zum Bundeshaus. Die letzte Station war der Bundesplatz, wo uns unser Führer leckere Berner „Schoggi“ verteilte.

 

Am Dienstagnachmittag hatten wir die Kommissionssitzungen. Da Alexander Wick der Kommissionspräsident der Initiative „Heizung in öffentlichen Gebäuden“ war, hatte er es am schwierigsten. In den Sitzungen wurde sehr gut diskutiert und man hörte die Meinung anderer. Diese Sitzung dauerte rund vier Stunden und alle waren nachher erschöpft. Zudem hatten wir am Abend eine Fraktionssitzung, die bis zehn Uhr dauerte. Dafür konnten wir uns dann eine gute eigene Meinung bilden und eigene Gegenentwürfe formulieren.

 

Am Mittwochmorgen brachte uns ein Tram zum Bundeshaus. Dort wurden wir freundlich empfangen und man führte und durch das prachtvolle Bundeshaus. Die Führerin erzählte uns spannende Geschichten über Berns Weg zur Bundesstadt und zur Entstehung des Bundeshauses. Ausserdem durften wir den Ständerats- und den Nationalratssaal betreten und auf den Stühlen Platz nehmen. Danach wurden wir zum Fraktionssaal der SP geführt, wo Frau Gysi, Nationalrätin aus St. Gallen, schon auf uns wartete. Anfangs erzählte sie über ihr Leben als Politikerin und warum sie sich dafür entschieden hatte, in die Politik zu gehen. Später stellten wir Fragen, welche sie geduldig beantwortete. Schliesslich bedankte sich Karin im Namen der Klasse und überreichte ihr unser selbst gemachtes Geschenk. Den Nachmittag und den Abend verbrachten wir wiederum mit Fraktionssitzungen. Wir bereiteten unsere Reden für die Nationalratsdebatte vor – schliesslich sollte jede und jeder von uns mindestens einmal ans Rednerpult stehen. Unsere Lehrer halfen uns beim Ausformulieren unserer Texte. Es dauerte lange, bis wir alle unsere Texte geschrieben hatten und so waren wir froh, als wir spät am Abend ins Bett konnten.

 

Als wir am Donnerstagmorgen aufgestanden waren und uns verpflegt hatten, fuhren wir mit dem Tram bis zur deutschen Botschaft. Wo wir festlich empfangen wurden. Nach dem wir etwas getrunken und gegessen hatten, wurden wir mit einem Film instruiert, was ein Botschafter so macht. Dazu gab es feine Muffins, ein Glas Apfelschorle, und salzige Knabbereien. Der Film war sehr informativ. Nachher wussten wir alle, was ein Botschafter macht. Nach dem Film konnten wir dem Botschafter Fragen stellen. Nachdem er alle Fragen beantwortet hatte, verabschiedeten wir uns und überreichten ihm das mitgebrachte Präsent.

 

Am Donnerstagnachmittag begann um 13 Uhr endlich die Nationalratsdebatte. Auch viele Eltern waren nach Bern gekommen und schauten uns von der Besuchertribüne aus zu. Der Nationalratspräsident, ein Schüler aus dem Kanton Bern, eröffnete die Debatte mit dem Klingeln einer Glocke. Nach einer langen Rede wurde die Vertreterin des Bundesrates, Frau Ruth Dreifuss, vorgestellt. Anschliessend begannen wir mit dem Behandeln der Initiativen. Zuerst behandelten wir die Initiative „Leben ohne Atomares Risiko“. Anschliessend die Initiativen „Heizung in öffentlichen Gebäuden“ und „Bekämpfung von Cybermobbing“. Mit etwas Verzögerung begann die wohlverdiente Pause mit Erfrischungen. Da konnten wir auch unsere Eltern sehen und uns mit ihnen unterhalten. Anschliessend leitete die Vize-Nationalratspräsidentin aus unserer Klasse, Janine, die Nationalratsdebatte souverän. „Härtere Strafen bei Gewaltverbrechen“ und „Kitas für alle“ waren die Initiativen, die nach der Pause behandelt wurden. Um die Debatte zu schliessen hielt unsere Vize-Nationalratspräsidentin eine Schlussrede. Anschliessend bedankte sich Frau Ruth Dreifuss bei uns und wünschte uns noch eine schöne Woche. Nun gingen wir zurück in unsere Zivilschutzanlage.

 

Nach dem Abendessen fand eine Schlussfeier statt, an welcher Schüler jeder Klasse, aber auch Präsident und Vizepräsidentin des Nationalrats, die Lehrer und die Spielleitung eine kurze Rückmeldung zur Woche gaben. Alle Klassen waren aufgefordert, den Rückblick sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch zu geben. Niklas (deutsch) und Luca (italienisch) lösten diese Aufgabe hervorragend.

 

Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht hiess es dann am Freitagmorgen nur noch aufräumen und nach Hause fahren. Müde, aber mit vielen neuen Eindrücken kamen wir wieder in St. Gallen an.

Klasse 2b aus dem OZ Mühlizelg