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Lesen … Lesen … Lesen!

Ein besonderer Morgen im Schulhaus Ebnet

„Lesen ist ein grosses Wunder“, schrieb Marie von Ebner-Eschenbach vor gut hundert Jahren. Dieses Wunder hat in der Zwischenzeit nichts von seiner Grösse verloren und kann immer und überall wirksam werden. Dies war am Mittwoch vor der Auffahrt auf der Schulanlage Ebnet eine eindrückliche Erfahrung! Der Morgen stand ganz im Zeichen des Buches und des Lesens. Von morgens 8 Uhr bis am Mittag regierte das Buch über Stundenplan, Köpfe und Aktivitäten.

 

Zum Auftakt brachte Clown Hanno per Kickboard-Transporter Bücher, Buchstaben und Gelächter zu 270 versammelten Kindern. War es wohl ein Zufall, dass diese auf Zeitungspapier sassen, um der herzerwärmenden Vorstellung beizuwohnen und so ganz nebenbei die Erfahrung machten, dass auch die Schrift das Zeug zum Wärmen hat?

 

Dann wurde es still auf der Schulanlage. Die Stille ist ja bekanntlich die Freundin der Lesenden. Die Kinder betätigten sich in drei verschiedenen Angeboten: Als BUCHOHREN lauschten sie einer Märchenerzählerin oder einer Autorin/einem Autor. Als BUCHFRESSER frassen und ackerten sie sich lesend durch so viele Buchseiten wie möglich. Als BUCHSCHNÜFFLER lösten sie Suchaufträge zwischen hunderten von ausgelegten Büchern. In den Klassenzimmern, Garderoben, Eingangshallen und im Freien wurde gelauscht, geblättert, geschaut, gelesen, gesucht, aufgeschrieben, nachgedacht. Nicht jedem Kind fiel es gleich leicht, sich über eine längere Zeitspanne auf das geschriebene Wort zu konzentrieren und dabei in eine eigene Welt einzutauchen. Jedes tat es auf seine Weise.

 

Ob wohl vor lauter geistiger Aktivität gegen Mittag ein Räuchlein aus unserer Schulanlage aufstieg? Jedenfalls kam bei der abschliessenden Vermessung der gelesenen Seiten die beachtliche Gesamtzahl von 1,70 Höhenmeter zustande. Wer sich dafür interessiert, kann an den Säulen vor den Eingängen Ebnet 1 + 2 ersehen, wie viel zusammenkommt, wenn alle ihren Teil – und sei er auch noch so gering – zum grossen Ganzen beitragen. Eine wichtige Erfahrung für die Kinder!

 

Was das einzelne Kind an Glück, Neugier, Freude, Mühe, Selbstvergessenheit, Einsatz, Entdeckung und Abenteuer erlebte, können wir nur erahnen. Lesen ist wie gesagt eine stille Aktivität. Mir bleiben drei Bilder in Erinnerung: Die Kindergartenkinder, welche die Suppenbuchstaben – ein Geschenk des Clowns – zusammenklauben und „ihren Namen“ in der hohlen Hand sorgfältig zum Kindergarten tragen. Der Schüler, der auf seiner Krokodil-Luftmatratze versunken unter dem Baum liest. Die Schülerin, welche „oh schade!“ ruft, als die Pausenglocke sie aus dem Lösen von Buchfragen reisst.

 

„Lesen ist betreutes Träumen“, sagt die Kunsterzieherin Anka Rahn. Es war an diesem besonderen Schultag im Ebnet spürbar.

Christine Fischer, Logopädin